Wie versprochen nun nach Vietnam ;)

Es waren etwa 7 Tage in Singapur verstrichen, als mein Bruder ankam, und wir dann zusammen nach Vietnam sind. Saigon an sich ist eine Grossstadt, wie sie genauso überall sonst in der Welt sein könnte. Die Gebäude sind kaum irgendwie speziell, und sähe man nicht ab und zu eine rote Fahne mit Hammer und Sichel oder gelbem Stern wehen, dann könnte man fast vermuten, man sei in Paris. Dazu tragen unter anderem eine Vielzahl an Cafes und Boutiquen bei, sowie die europäischen Schriftzeichen (in ungewohnter Kombination), als auch die alten Gebäude, die eher französischer Kolonialstil sind. Natürlich laufen trotzdem hunderte nicht-besonders-europäisch-aussehender Menschen herum, oft genug auch mit dem typischen konischen Reisstroh-hut. Und allein die gefühlte Anzahl der Motorräder ist ohne gleichen auf der Welt, alleine noch übertroffen von Hanoi. Die Leute leben quasi auf den Motos, da sieht man mal einen darauf schlafen, einen anderen Zeitung lesen, ein Mädchen hat sich gerade eine Suppe geholt und isst sie auf dem Moto sitzend, oder man fährt das Moto auch einfach mal in einen Laden, wenn man einkaufen geht. Drive-thru-business sozusagen.
Auf dem Weg aus Saigon (oder auch Ho-Chi-Minh-City, folgt man der Nomenklatur der Regierung), findet die Stadt kein Ende, und erst nach Stunden, als es dunkel wurde und wir schon fast in Mui Ne waren, kamen ab und zu mal unbebaute Flecken zu vorschein. Das alles ist zwar ziemlich beeindruckend beim Einflug in der Nacht, ist aber beim Durchfahren doch eher nicht so wahnsinnig nett anzusehen.
Danach waren wir in Mui Ne, dem Kitesurf-Mekka Vietnams. Sehr nett, sehr ruhig, sehr schöne Sanddünen. Dort trafen wir zwei Mädels, die uns erzählten, wie sie mit ihren Motos gleich nach 10 Minuten von der Polizei angehalten wurden, und die ihnen die Motos abnahmen. Wir hatten zum Glück kein solches Pech und haben tatsächlich alles zu sehen bekommen, was wir sehen wollten.
Trotzdem haben wir uns danach kein Motorrad mehr gemietet. Was aber nicht heißt, dass wir nicht mehr auf einem Motorrad durch die Gegend gefahren sind. In Dalat wurden wir von den Easy Riders angesprochen, ob wir nicht eine Tour mit ihnen machen wollen, und das haben wir dann auch gemacht. Besuch bei einer Seidenfarm und -fabrik inklusive (und noch so einiges mehr). War superinteressant. Dalat an sich ist einfach mal eine nette Abwechslung zum Rest Südostasiens, allein schon, weil es zum ersten Mal seit 5 Monaten beim Verlassen eines Restaurants, es tatsächlich draußen kühler war als drinnen. Und Weinanbaugebiet ist es auch… Herz, was begehrst du mehr?!? :) Die Strassen dorthin sind aber dafür umso unbequemer und der kleine Gebirgspass scheint schon des öfteren auch mal Opfer davon zu tragen – so auch ein Bus, der am Tag vor unserer Ankunft verunglückt ist…
Naja… wir haben den Gebirgspass auch das zweite Mal überlebt, hatten dann ein paar Stunden in Nha Trang am Strand, und sind dann weiter nach Hoi An.
Hoi An ist meines Erachtens der schönste Ort in Vietnam. Die ganze Stadt besteht aus alter Baustruktur, chinesische Shophouses reihen sich an Tempel, ca. 400 Schneider (60 US-$ für einen Anzug, 30 für ein Kleid) gibt es in der Stadt, und obwohl es so viele Touristen dort gibt, ist das ganze relativ unstressig. Einen schönen Strand gibt es auch noch in der Nähe, der in einer recht netten ca. 20-30-minütigen Fahrradtour zu erreichen ist, und das Essen ist hervorragend.
Sollte jemand von den Leuten die das hier lesen mal da hinkommen: auf jeden Fall im Huu Nghi am Flussufer essen, und auf keinen Fall Schuhe machen lassen… meine haben gerade mal 2 Tage gehalten.
Ein bißchen weiter nördlich ist Hue, eine ehemalige Kaiserstadt, mit dazu gehöriger Zitadelle und Kaisergräbern. Auch recht nett anzusehen. Von dort weiter mit dem Zug nach Danang, was eine wunderschöne Strecke ist, und von dort weiter mit dem Flugzeug nach Hanoi.

Und ja… Hanoi…. wo anfangen… Hanoi an sich könnte so eine schöne Stadt sein. All die Gebäude die noch in gutem Zustand sind, ein Haufen Seen quer über das Stadtgebiet verteilt und wunderschöne Märkte und Tempel. Aber wenn ich alle negativen Erlebnisse meiner Reise zusammen zähle, dann sind minimum 2/3 all dieser in Hanoi passiert, und wenn ich es auf schlechte Erlebnisse mit den Locals reduziere, dann 3/4. Da gibt es Moto-Fahrer, die einen über mehrere Blocks verfolgen, weil sie nicht einsehen wollen, dass man zu Fuß gehen will. Da werden Preise “nachkorrigiert”, obwohl man den ersten Preis annehmen wollte. Oder man hatte gesagt, dass man was billigeres will, und auf einmal ist der Regenmantel der eindeutig schlechtere Qualität ist genauso teuer wie der andere, und der andere doppelt so teuer wie vorher. Oder der Taxi/Moto-Fahrer behauptet man hätte 50 gesagt, obwohl man ganz klar gemacht hat, dass man EINS FÜNF meint. Oder man kann die Busfirma seines Vertrauens nicht finden, weil es ca. 50 Firmen gibt die den selben Namen haben, und wenn man sich dazu entscheidet einfach bei irgendeiner zu buchen, dann mitten in der Pampa steht und 4 Stunden Aufenthalt hat, obwohl man den teureren Direktbus gebucht hatte und mittags ankommen sollte, und natürlich auch keine Entschädigung zu erwarten hat. Oder das Taxameter läuft einfach mal in Dollar, obwohl der Preis in Dong angeschrieben ist, und man zahlt am Ende statt einem Dollar zwölf (so geschehen 2 Deutschen die ich dort getroffen habe). Oder man wird ganz einfach von einem Taxifahrer mit dem Messer bedroht wenn man nicht das Hotel seiner Wahl nehmen will, nachdem das wo man eigentlich hinwollte “nicht mehr existiert” (so geschehen Alex und Heather, die ich in Laos kennengelernt hatte und wir in Hoi An und Hanoi wiedergetroffen haben). Hanoi ist neben all dem einfach die Fleisch gewordene Hupende-Motorrad-Kamikaze-Hölle. Während man in Saigon noch über die Straße gehen kann und der Verkehr um einen herumfließt, wird in Hanoi einfach nur gehupt und erwartet dass der andere schon aus dem Weg springt. Und dass geguckt wird wenn man aus einer Ausfahrt fährt und über einen Bürgersteig muß, kann ja auch niemand erwarten, oder?
Und auch insgesamt ist es einfach eine komische Stadt, wo es billiger ist bei KFC zu essen als auf der Straße oder gar in Restaurants.
Hanoi hat zwar einiges interessantes zu bieten, und auch sehr nette Cafes (wo aber ein Espresso so teuer ist wie ein Essen für 2 Personen anderswo, außer man geht in die entlegendsten Gässchen). Und auch das Ho-Chi-Minh-Mausoleum ist schon wert gesehen zu werden, genauso wie das Wasserpuppentheater (das wirklich sehr cool und superwitzig ist) und das Ho-Chi-Minh-Museum.
Aber trotzdem, ich kann jedem nur empfehlen der nach Vietnam will, zu versuchen einfach gar nicht in Hanoi zu bleiben, oder den Aufenthalt so kurz wie möglich zu gestalten.

Naja… für mich war es leider noch zusätzlich ein sehr unglücklicher Zeitpunkt dort, weil eine Riesen-Regenfront über dem gesamten Norden hing und die auch noch so mehr oder weniger die Woche bleiben sollte. Und nachdem ich keine Lust hatte, 60$ dafür zu zahlen auf der Halong Bay gewesen zu sein und nichts gesehen zu haben (vor allem nachdem ich ja auch Phang-Nga gesehen hatte) und ich auch keine Lust hatte im Regen in Sapa trekken zu gehen, habe ich mich dazu entschieden einfach ein bisschen früher zurück in den Süden zu fahren und einfach ein bißchen Zeit in Hoi An zu verbringen, bevor ich von Danang nach Saigon und Saigon nach Singapur fliegen würde.
Dieser kleine Umweg wurde übrigens dadurch nötig, weil meine Kreditkarten bei der Onlinebuchung nicht funktioniert haben. Anscheinend gibt es da einen Mechanismus, der die Karte bei Internetnutzung in Südostasien erst mal für einen oder zwei Tage sperrt, und wenn man dann seinen Flug buchen kann, ist er auf einmal 3x so teuer und man spart sich über die Hälfte wenn man zwei Flüge macht… Sollte irgendeiner von den Lesern bei Visa arbeiten und für solche Späße verantwortlich sein, er möge sich in die Eier getreten fühlen.

In Saigon habe ich mich dann nochmal mit Johnny (den ich in Kambodscha kennengelernt hatte) und Simon (an der Grenze zu Laos kennengelernt, in Hoi an wiedergetroffen) getroffen, in der Früh fast alle meine Mitbringsel vergessen und dann nochmal mit dem Moto zurück und dann direkt zum Flughafen.
Und tja, seitdem bin ich in Singapur und habe die Suche nach einem temporären Job schon so mehr oder weniger aufgegeben. Mal gucken wie das mit dem Post-Deutschland-Aufenthalt-Job aussieht. Auf jeden Fall werde ich jetzt einfach doch lieber, anstatt hier nur blöd rumzusitzen, die Gelegenheit nutzen um einen Chinesisch-Kurs zu machen. Und vielleicht klappt das ja mit der einen Bar, wo angeblich auch normalerweise Backpacker arbeiten…

Und jetzt gibts natürlich auch noch ein paar Fotos von Vietnam.